Jeder Pakt wird schriftlich besiegelt
Fünftklässler des Haßfurter Schulzentrums informierten sich über die Streitschlichter
Hassfurt
Zusammen mit rund 50 weiteren Schülerinnen und Schülern möchten diese jungen Damen Streit am Haßfurter Schulzentrum schlichten. Foto: AnkenbauerDie fünften Klassen der Real- und Mittelschule und des Gymnasiums waren eingeladen, das schulartübergreifende Projekt "Streitschlichter" näher kennenzulernen.
Viele Kinder saßen am Freitag auf den Stühlen im "Silberfisch", der Mensa des Haßfurter Schulzentrums. In der Mitte lag ein dickes Seil, das sich durch den ganzen Saal schlängelte. Das Seil war ein wichtiges Instrument, um die Stimmungen in den einzelnen Klassen ausloten zu können.
Interessant waren die Ergebnisse, die sich aus den einzelnen Fragen, wie zum Beispiel das Funktionieren der Klassengemeinschaft, ergaben. Die einen gaben an, sich in ihrer Klasse pudelwohl zu fühlen, während andere sich auf der Skala Null bewegten, was bedeutet, dass sie von anderen geärgert oder beleidigt werden. Manche kommen mit ihren Klassenkameraden gut zurecht, andere fühlen sich ausgelacht und ausgegrenzt. Konfliktpotenzial gab es auf jeden Fall genug.
Wie hinter unfairem Verhalten oft bestimmte Wünsche und Befürchtungen stecken, wurde von der Theatergruppe unter der Regie von Claudia Grunwald eindrucksvoll dargestellt. Wenn der coole Georg nämlich einfach ein paar Mädels von den Bänken fegt, um sich dort hinzusetzen, könnte dahinter einfach die Angst stecken, vor den Klassenkameraden als Versager dazustehen. "Ich will nicht getreten werden" war ein Baustein der Konfliktmauer, die von den Streitschlichtern selbst gebaut wurde. Eindrucksvoll fiel dabei ins Auge, dass die Streitenden sich damit selbst die Sicht aufeinander verbauen.
Die Kinder der fünften Klassen lauschten interessiert und aufmerksam dieser Veranstaltung. Einigen kleinen Gästen war das "Aha-Erlebnis" deutlich am Gesicht abzulesen. Was also ist jetzt ein Streitschlichter und was machen die genau? Barbara Busch, die Leiterin dieses Projektes, erläuterte kurz und knapp die fünf Phasen eines Streitschlichtungsgespräches. Bei der Begrüßung angefangen bis hin zum "Einigungsvertrag", der dann von beiden Parteien unterschrieben wird, wurde von vier Streitschlichtern so ein Gespräch live auf der Bühne vorgeführt. Das ermöglichte den Fünftklässlern einen Blick hinter die normalerweise diskret verschlossene Tür eines Streitschlichterzimmers.
"Die Streitschlichter haben genauso Schweigepflicht wie ein Arzt", betonte Claudia Grunwald noch einmal, um damit die Kinder zu ermutigen, dieses wichtige Angebot in Anspruch zu nehmen. Das Ziel dieser Veranstaltung war, die fünften Klassen für das Thema Streitschlichtung und Konfliktlösung zu sensibilisieren.
"Was ist, wenn ganze Gruppen sich streiten?" "Wie ist das mit dem Vertrag, wenn der dann nicht eingehalten wird?" Diese zwei Fragen waren nur ein ganz kleiner Bruchteil dessen, was den Kindern auf der Seele brannte. Die Lehrkräfte, die beim Projekt Fair sc(h)ool" mitarbeiten, nahmen diese Fragen sehr ernst und beantworteten sie gerne.
"Wie kann ich Streitschlichter werden?", fragte ein Fünftklässler. Diese Frage wurde von einem ausgebildeten Streitschlichter beantwortet. Dabei wurde deutlich, dass Schüler, die sich für dieses Amt bewerben, eine 40-stündige Ausbildung absolvieren müssen.
In diesem Schuljahr haben sich knapp 100 Schülerinnen und Schüler beworben. 60 Streitschlichter gibt es momentan an den drei Schulen. Dass sie ihr Amt äußerst ernst nehmen, erzählten Nadja und Jessica, beide Mittelschülerinnen. Der Heimatzeitung berichteten sie ausführlich von den fünf Phasen eines Schlichtungsgespräches. Dass die Streitschlichter neben der Schule auch noch die Ausbildung dazu auf sich nehmen und via Dienstplan ihre Freizeit zur Verfügung stellen, spricht für sich.
Die Frage, ob Streitschlichter benötigt werden, kann anhand des Stimmungsbarometers ganz klar mit "ja" beantwortet werden. Allein die Präsenz der Streitschlichter erhöht die Chancen auf ein faires Miteinander am Schulzentrum. Die Streitschlichter, die später ins Leben entlassen werden, wissen jedenfalls, wie Konflikte dauerhaft gelöst werden können und leisten damit einen wertvollen Beitrag für die ganze Gesellschaft.
Damit die Buben und Mädchen wissen, wo die Streitschlichterzimmer sind, ging es zum Abschluss der Veranstaltung in die Schulen zurück. Dort besuchten die Fünftklässer die Streitschlichterzimmer. In den Pausen können diese bei Bedarf aufgesucht werden.
Quelle: Haßfurter Tagblatt, Onlineausgabe















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